Mar 17
Seele brennt: Fluchend dem beissenden rauch und dem wahnsinnigen brandstifter
Seele brennt
du wähnst dich sicher vor mir, aber das ist ein irrtum. deine seele hat sich entzünden, brennt lichterloh wie eine bibliothek. in flammen stehen jene schriften, die von der liebe erzählen: prosa, lyrik, psalme, gesänge, bilder, briefe und selbstvergessene erinnerungen.
du eilst herbei mit eimern und decken um zu retten diesen traum, jene hoffnung, deinen verstand. tapfer kämpfst du um jedes stockwerk, hinauf in den turm, wo die flammen schon an den staubigen kindermärchen lecken - fluchend dem beissenden rauch und dem wahnsinnigen brandstifter, dem du die schlüssel anvertraut hast. glimmende funken stoben zornig in den himmel, wo sie sich mit sanft fallenden schneeflocken im wirbel unterm sternenzelt vereinen.
du rufst meinen namen aus dem aufgestossenen fenster, feuer im haar, nackt wie eine unberührte göttin. in den rußigen armen, fest an die brust gepresst, trägst du ein bündel: jorinde und joringel, oder ist es verbrechen und strafe? da verschlingt dich der rauch und mit einem ruck bricht der dachstuhl.
lange schaue ich in die glut und wärme meine glieder in der einsamen nacht. endlich legt sich die asche über das land - nicht einen buchstaben hat der brand verschont. da wende ich mein gesicht zum himmel, wo der mond wie eine blutige sichel nach rache sinnt, und sage: “sei meine zeugin: dies ist der lauf der dinge. drum besser wär’s, daß nichts entstünde.”
Und noch einges mehr hier: myspace.com/flammenzunge
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